Bücherlesungen

Ich muss zugeben: Ich war auch schon auf Bücherlesungen. Sogar schon einmal auf einer Lesung, auf der man selbst Sachen vortragen konnte. Bevor ich dran war, bin ich aber wieder gegangen. Die Bücherlesungen habe ich zum einen aus Langeweile besucht, zum anderen aus Interesse. Aber das waren auch schon die beiden.
Warum Bücherlesungen? Als Werbeveranstaltung für die Bücher. Warum noch? Ich weiß es nicht, und deswegen würde es mir auch sehr schwer fallen, eine Bücherlesung zu veranstalten.
Zugegeben, zwei Bücherlesungen zu besuchen, stattet einen nicht gerade mit einem grandiosen Verständnis dafür aus, wie so etwas abläuft, was da passiert und vor allem: was der Hintergrund, die Motivation ist. Aber was soll das schon sein? Verkaufen. Und mehr verkaufen.
Und was ist der Wert für den Besucher einer solchen Veranstaltung? Er bekommt etwas vorgelesen, sieht den Autor in persona, kann nachher das Buch erstehen und sich vielleicht ein Autogramm holen oder das ein oder andere Wort mit dem Autor wechseln.

Und jetzt mein Verständnis:
  1. Es ist mir egal, wie der Autor aussieht. Da muss schon eine extrem unterhaltsame Persönlichkeit her, um die Lesung zu einem Erlebnis zu machen. Wladimir Kaminer z.B. ist sehr unterhaltsam, aber seine Auftritte haben auch mehr von einem Event als von einer Lesung. Ansonsten gibt es für mich keinen Mehrwert, den Autor oder irgend jemand anderen vorlesen zu sehen. Die Autoren, die ich kenne, zeichnen sich dadurch aus, dass sie eben nicht so sind wie ihre Protagonisten, das persönliche Kennenlernen eines Autors, von dem man nur das Werk kennt, wird die Person also eher entzaubern als zum Mythos, den man sich selbst von ihm geschaffen hat, beitragen.
  2. Autogramm? Wofür? Mit "persönlicher" Widmung vielleicht noch? Der Autor hat meinen Namen zwei Sekunden später sowieso wieder vergessen. Autogramme sind etwas für Reliquien-Händler.
  3. Der Autor muss sehr gut vorlesen können. Es gibt nichts Schlimmeres, als einen langweilig vortragenden Autor aus seinem eigenen Werk zitieren zu hören. Viel schlimmer: Vorlesen bedeutet auch immer Interpretieren, d.h. hat man einen Text erst einmal gehört, kann man ihn beim späteren Lesen nie wieder unvoreingenommen und mit eigenem Tempo und Melodie erfahren. Deswegen mag ich auch keine Hörbücher.
Glaubt man dem, was der Hauptperson in "Lila, Lila" widerfährt,sind Lesungen und ganze "Lesereisen" wahre Raketenantriebe für Verkaufszahlen (s.o.: Verkaufen, mehr verkaufen).
Für mich aber: Mumpitz.

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