Autorenbilder auf Büchern

Ein ähnliches Thema wie das der Lesungen, nur noch abstrakter. Warum werden auf manche Bücher Bilder des jeweiligen Autors/der Autorin aufgedruckt? Wo ist der Mehrwert? Warum sollte irgend jemand wissen wollen, wie der Autor aussieht? Was erfährt man dadurch? Handelt es sich um Fachliteratur, wird man vielleicht kein Buch kaufen, auf dem der Autor in der Badehose abgebildet ist, aber das Thema "Finanzmärkte" abhandelt. Ebenso wird man vielleicht kein Buch über die Wartung von Treckermotoren kaufen, auf dem der blitzsaubere Autor einen Anzug trägt und aussieht, als wüsste er vielleicht gerade, wie man "Trecker" buchstabiert. Aber das sind Grenzfälle, die Fotos sind ja ebenso Teil des Buches wie der Inhalt und werden aufeinander abgestimmt sein. Trotzdem bleibt die Frage nach dem Mehrwert, nach der zusätzlichen Information, die vermittelt wird.
Und wer äußert eigentlich den Wunsch nach dem Foto? Der Verlag, der sich dadurch höhere Verkaufszahlen erhofft oder der Autor, der seinen Narzissmus befriedigen will? Keine Ahnung.

Ich weiß nur: Auf einer Brötchentüte ist auch kein Konterfei des Bäckers, der Inhalt steht für sich und das sollte auch bei Büchern so sein, die Person und speziell das Aussehen das Autors ist uninteressant, dem Leser soll der Inhalt schmecken, respektive gefallen und fertig.

Kommentare

  1. Schade, ich dachte, du beantwortest fragen, anstatt sie nur zu stellen. Dabei ist die Antwort aus meiner Sicht relativ klar: Vertrauen. Wenn der Leser sieht, wer dahintersteht, bekommt der abstrakte Text eine menschliche Komponente. Wenn der Autor zum Buch passt, mögen wir es mehr. Bei Romantikbüchern z.B. eine lächelnde Frau, bei Büchern aus der Gothik-Szene jemand, der das verkörpert. Wir wollen eine persönliche Bindung aufbauen. Bei Fachbüchern ist das sicher reines Prestige, aber besonders in der Belletristik ist das ein Trick, der funktioniert.

    Und ich mag den Profilbild :P

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    1. Aber genau das ist ja das Problem (was ich wieder nicht lösen kann): Warum vertraut man denn einer lächelnden Frau eher, bzw. traut ihr eher zu, ein Romantikbuch zu schreiben? Meines Erachtens *sollte* das alles eben keine Rolle spielen, offenbar ist das wohl nicht so, aber trotzdem sehe ich mich zu Widerstand genötigt ;)

      Mit dem Profilbild ringe ich immer noch, aber danke :)

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    2. Du kannst nix dafür, ich mag Brillen einfach :P Menschen wollen eine persönliche Beziehung aufbauen. Ich bemerke das aber auch: Besonders, wenn es um Sachthemen geht, kann man den Inhalt nochmal unterstreichen - der arme, arme Mensch hat das durchleiden müssen. Bei erotischer Literatur erlebe ich oft, dass es zwar ne kleine Selbstbeschreibung, aber kein Foto gibt - die Autoren wollen bewusst im Dunkeln bleiben. Einerseits, weil es peinlich und ein bisschen geächtet ist, andererseits weil man das Mysteriöse erhalten will. Bei EL James ist es sogar ins Negative gekippt - denn die nett lächelnde Frau mit den roten Haaren hat nochmal unterstrichen, dass sie keine Ahnung hat. Der schlechte Ruf von 50 Shades hat viele Gründe, aber wenn sie sich so inszeniert hätte, dass sie aus der Szene kommt, hätte es etwas Verruchtes gehabt. Schwieriges Thema. Bei Romantikbüchern nerven mich die Autorenfotos aber ziemlich, weil ich mir denke "Warum müssen die ihr Buch damit verkaufen?!" - ich finde das sehr aufdringlich.

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    3. "Inhalt unterstreichen" ist halt so eine Sache, die sich mir nicht erschließt - was ich vielleicht noch gelten lassen würde, wäre das Bild des Autoren, der einen VW Käfer stemmt, auf einem Buch über das Gewichtheben :)

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    4. Du und dein Käfer-Fimmel (s. akutelles Buchcover... ich mag auch Herbie *sing*) :P Leider würde der Käfer dann vom Gewichtheben anlenken :-) Kleines Beispiel: Du hast ein Buch, hellblau, mit pinker Blumenranke, indem es um eine Blumenverkäuferin geht, die zufällig einem reichen Kunden begegnet, der sie im Bett nicht verkloppt, sondern mit Rosenblättern bestreut, der sie im Rosengarten verführt und ihr schließlich, und inmitten des geradlinien Handlungsstranges, einen Antrag auf einem Rosenbett macht *heul*. Wenn du das Buch rumdrehst, siehst du

      a) einen grauhharigen Computerfreak mit Brille und Superman-Shirt oder

      b) eine fröhlich guckende Blondine mit Locken und rosa Lippenstift.

      Bei a) würdest du zuerst den Inhalt anzweifeln und hinterfragen, warum so ein Typ es nötig hat, über die Liebe zu schreiben und nich einen neuen Programmcode, um uns auszuspoinieren. Danach hättest du Mitleid mit dem armen Kerl, der keine abbekommt und deswegen darüber schreiben musst. Du würdest das ganze Buch erstmal infrage stellen.

      Bei b) würdest du das ganze Buch nochmal durchspielen, mit der Autorin in der Hauptrolle. Alles wird auf einmal intensiver, weil du denkst: Das hätte auch real so passieren können. Und dann freust du dich, dass eine so hübsche Frau so hübsche Bücher schreiben kann.

      Das ist natürlich etwas übertrieben und wenn man das Buch gelesen hat, werden die Auswirkungen des Autorenphotos eher gering sein. Aber.. ich denke, dass es so funtkioniert. Vlt. gibt es Studien dazu?

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    5. Sehr gute Beispiele, ich bin mir sicher, dass es Studien dazu gibt, denn sonst würden diese Bilder nicht verwendet werden.
      Was passiert denn, wenn man das Buch umdreht und kein Bild ist zu finden? Kaufe ich das Buch dann nicht? Das wage ich zu bezweifeln. Wahrscheinlich bin ich aber auch einfach nicht repräsentativ.

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    6. Kaufen: Sag du es mir :-) Mir wäre es egal, glaube ich. Obwohl... wenn die Person vorher bekannt ist, erkenne ich sie schneller; ich würde das Buch ohnehin kaufen, weil ich dem Promi vertraue, und wenn das Autorenfoto auf dem Cover ist, finde ich es leichter.

      Bei manchen Büchern z.B. Fachliteratur bzw. Wissenschaftsbüchern will ich gar kein Bild, bei Romantikbüchern rechne ich damit. Schlimm ist, wenn die Autoren keine Erfahrung mit Fotografen haben und das Bild etwas steif wirkt.

      Im Gedächtnis geblieben ist mir dazu Christian Hesse (http://evyswunderkiste.blogspot.de/2014/05/was-einstein-seinem-papagei-erzahlte.html):

      Man hat auf die Rückseite sein Bild geklatzscht, was ein krasser Kontrast zum Cover war. Leider war die Belichtung etwas ungünstig, besonders, was die Schatten betraf. Das Bild wirkt zwar nicht ganz so schlimm wie das schnappschuss-mäßige auf der Uni-Homepage, aber er fühlte sich nicht wohl. Da ich im Buch den Eindruck hatte, dass der Mann zwar viel weiß, aber nicht weiß, wie er es ansprechend präsentieren kann und dadurch etwas selbstdarstellerisch wirkt, wurde dies verstärkt - ich dachte, dass er echt nicht viel kann bzw. besser (mündlich) unterrichten als Bücher schreiben kann.

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