Schreiben planen, entwerfen, umsetzen

Ich gehöre nicht zu den Schreibern, die einen Roman komplett im Kopf haben, bevor sie das erste Wort zu Papier (oder in digitale Form) bringen. Ich benutze auch keine der verfügbaren Software-Produkte, die einem neben dem Schreiben noch 200 Fenster, Tabs, Listen und wie das ganze Zeug sonst noch so heißt, anzeigen und bei der Handlungs- und Charakter-Entwicklung helfen. Trotz allem sei an dieser Stelle nochmal das leider nur noch für eine Probezeit kostenlose Tool Page Four genannt, das eigentlich einen ganz guten Eindruck machte, wenn man die Funktionen, die es bietet, nutzen möchte. Mir was das alles zu viel, ich hätte nicht gewusst, was ich da überall eintragen will und eher vermutet, dass ich bei all den Optionen weniger zum Schreiben komme.

Wie plane ich also ein Handlung? Zunächst einmal plane ich die Handlung weder ganz, also von vorne bis zum Ende noch in jedem Detail. Bevor ich ein Buch beginne, habe ich eine grobe Ahnung, wohin die Reise geht, was ungefähr passieren soll und meist auch, wie es endet (einmal hatte ich vor dem ersten Satz schon den letzten fertig). Es gibt also eine Idee (A liebt B, C betrügt D, etc.) mit einem speziellen "Etwas", das mich interessiert und das ich ausreizen, quasi durch die Protagonisten erleben möchte. Diese Idee beinhaltet einige Elemente, ohne die sie nicht funktionieren kann, aber noch lange nicht die Handlung, durch die die Figuren gehen müssen, ist also zu Anfang eine noch sehr wolkige, unfassbare Geschichte.
Sobald ich dann tatsächlich mit dem Schreiben beginne, bestimmt die Idee, wie der Anfang aussieht. Soll es harmlos starten und dann immer schneller (und härter) werden? Soll ein wesentliches Element sofort von Anfang an genannt und der Rest der Geschichte dann darauf hin ausgerichtet werden? Diese Entscheidung ist essentiell, geht aber meist relativ zügig von der Hand. Dann heißt es "nur noch": Anfangen! Von diesem Punkt an passiert vieles von selbst, Figuren tauchen auf (in meinem Kopf, dann in der Geschichte), verschwinden vielleicht wieder, verselbständigen sich aber in jedem Fall. Ich habe noch kein Buch geschrieben, in dem ich eine Figur in eine Richtung gezwängt hätte, in die sie nicht selbst hätte gehen wollen.
Nun zur Planung: In einer Szene oder einem Kapitel bleibt immer etwas übrig, was einen Hinweis auf die folgende Handlung gibt, zumindest in meiner Vorstellung. Das muss nicht immer heißen, dass alle vorhersehbar ist (das wäre ja auch nicht auszuhalten), eher im Gegenteil, das heißt aber in jedem Fall, dass eine Handlung an jedem Punkt logisch und nachvollziehbar ist, die Figuren sich natürlich verhalten und keine unrealistischen Sprünge in der Entwicklung von Handlung und Charakteren vorkommt. Wenn ich dann einen Punkt erreicht habe, an dem ein Kapitel (eine Szene, ein Abschnitt) fertig ist, oder ich einfach zu müde bin, um weiter zu schreiben, notiere ich mir kurz, wie es weiter gehen muss. D.h. ich öffne parallel zum Dokument mit dem Roman ein weiteres Dokument (in Word) und mache mir Notizen, was logisch folgen muss. Diese Notizen nehme ich mir am nächsten Tag vor und beginne wieder von vorne, entwickle Szenen, Absätze, Kapitel, wobei ich alle Notizen, die schon verarbeitet wurden, im Dokument durchstreiche. So habe ich immer die komplette Ideensammlung vor mir, weiß aber auch auf einen Blick was schon erledigt ist. So kann es z.B. sein, dass in den Notizen zu einer Idee von Kapitel 1 noch steht "muss später nochmal erwähnt werden", was ich dann z.B. in Kapitel 5 nochmal aufgreife.

Das war es eigentlich. Der gesamte Prozess zieht sich dann so lange hin, bis ich am Ende angekommen bin. Nicht selten war das Ende dann ein völlig anderes als das vorher geplante, aber Schreiben funktioniert für mich eben nicht "nach Plan" sondern eher als eine Art Schnitzeljagd, bei der man immer nur den nächsten Punkt sieht, auf den man zusteuert, nie aber das Ende der Reise (auch wenn man es erahnt).

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