Donnerstag, 18. September 2014

Eine unmenschliche Anzahl von Büchern, die man gelesen haben sollte

Wer erstellt eigentlich diese Listen? Zum einen gibt es da die "ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher", die, beginnend 1978, von der Feuilleton-Redaktion der Zeit zusammengestellt wurde, wobei jeweils ein bekannter Rezensent ein Essay über das gelistete Werk veröffentlichte. Auf der Liste finden sich außer der Bibel auch einige sehr alte Schinken wie z.B. die "Odyssee" von Homer oder "Aeneas" von Vergil. Das aktuellste Einzelwerk ist "Die Wörter" von Jean-Paul Sartre (es gibt einige aktuellere, die allerdings eher Serien von Veröffentlichungen beinhalten, z.B. die Erzählungen von Heinrich Böll). Ebenfalls 100 Bücher beinhaltet die Liste der meistgenannten Bücher auf Facebook (nach einem Aufruf, seine zehn Lieblingsbücher zu teilen).

Wem das noch nicht reicht (oder wer die 100 schon durch hat), der kann sich an einer der vielen Listen die Zähne ausbeißen, die sogar 1001 Bücher führen, die man (so der markige Spruch, der oft verwendet wird) gelesen haben sollte, bevor man stirbt (danach wäre auch schwierig). Hier ist eine davon, sie besteht aus einer Übertragung der "Original"-Liste aus dem englischen und berücksichtigt offenbar auch die deutschen Ausgaben der gelisteten Bücher, soweit verfügbar, deutschsprachige Autoren sind allerdings hier sehr unterrepräsentiert.

Bei meinem aktuellen Lesekonsum würde ich für 1001er-Liste 15 bis 20 Jahre brauchen. Aber will ich das überhaupt? Von der 100er-Liste habe ich 19 gelesen von der 1001er aktuell 109 (wobei sich die beiden Listen überschneiden). Der alte Spruch von Mark Twain, dass Klassiker das sind, was man gelesen haben sollte, aber nicht lesen möchte, greift auch hier wieder. ("A classic is something everybody wants to have read, but no one wants to read.")
Bei eben diesen Klassikern besteht ja gerade das Problem, dass man sie ohne Verständnis der Begleitumstände, des Entstehungsjahres, der gesellschaftlichen Strukturen und der Einordnung des Autors in all das, nicht in Gänze würdigen kann. Außerdem sind Dinge, die bei Erscheinen revolutionär waren, nicht für alle Zeiten gleichermaßen aufwühlend und können nur wenige Jahrzehnte später schon deutlich angestaubt wirken und kaum noch ein Schulterzucken wert sein.
Die größte Hürde für das tatsächliche Abarbeiten solcher Listen ist aber wohl der persönliche Geschmack, den man sich im Lauf der Jahre erarbeitet hat und den eine derartige Aufstellung kaum jemals in allen Punkten treffen kann.

Daher mag man auf besagten Listen Anhaltspunkte finden, ich halte mich lieber weiter an bewährte Methoden.

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