Unfreiwilliger Ruhm: Illegale eBook-Downloads

Nur ein Monat nach Veröffentlichung meines Debüts "Kains Königsweg" ist dieses als eBook auf einer Plattform für illegale Downloads verfügbar. Dabei habe ich noch nicht einmal danach gesucht, sondern bin über einen anderen Link darüber gestolpert, wahrscheinlich ist der Download also schon länger vorhanden.

Es stellen sich ein paar grundlegende Fragen:

1. Was halte ich davon?
So unwahrscheinlich sich das anhört, aber zunächst einmal war ich eher überrascht als verärgert, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass eine illegale Version meines Buchs existiert. Das liegt daran, dass ich selbst keine eBooks lese und meine Bücher samt und sonders in Papierform kaufe. Wenn man aber nur eine Sekunde darüber nachdenkt (und das tat ich, als ich die Seite mit den Downloads entdeckt hatte), ist natürlich klar, dass neben anderen Dateien (wie Filmen und Musik) auch eBooks kopiert werden.
Meine Reaktion war dann recht spontan wenig positiv, wie man sich vielleicht vorstellen kann: Ich habe enormen, zeitlich kaum abzuschätzenden Aufwand getrieben, um das Buch zu schreiben, zu korrigieren und letztendlich zu veröffentlichen, bekomme von den Verkäufen eh nur einen marginalen Anteil und muss jetzt sehen, dass all das kostenlos verfügbar gemacht wird - mein Gewinn daran ist also schlichtweg gleich Null.

2. Was ist zu tun?
Wenn ich das wüsste. Die Download-Seite enthält Links zur vier verschiedenen Download-Plattformen, auf denen die Datei bereitliegt. Bei nur einer dieser Plattformen konnte ich auf Anhieb ein Formular ausmachen, über das man sich beschweren kann - allerdings ist auch hier die Hürde nicht gering, es werden sämtliche persönlichen Daten (inkl. Adresse und Telefonnummer) benötigt, um die Anfrage bearbeiten zu können, auch dann stehen noch langwierige Prüfungen an, ob die Anfrage überhaupt berechtigt ist.
Zu vermuten ist, dass die Datei bei einer erfolgreichen Beschwerde von der Plattform verschwinden würde - noch sicherer ist aber wohl, dass die Datei in Nullkommanix auf einer anderen Plattform wieder auftaucht und die Verantwortlichen nie ausgemacht werden können.

3. Was ist die Konsequenz?
Auch das ist mir nicht wirklich klar. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text überhaupt veröffentlichen soll, um nicht noch explizit darauf hinzuweisen, dass das Buch auch kostenlos zu haben ist - wenn auch illegal - und vermehrte Downloads zu provozieren. Die Entscheidung für eine Veröffentlichung dieser Zeilen resultierte nur aus dem Glauben daran, dass jemand, der auf die Idee kommt, eBooks illegal herunterzuladen, diese Idee auch ohne das Gequengel eines betroffenen Autors haben wird.
Funktioniert es vielleicht mit positivem Denken? Sollte ich mich über die Aufmerksamkeit freuen, dass jemandem mein Buch so wichtig ist, dass er es anderen zugänglich machen möchte? (Wenn ich das auch kaum glaube, obwohl ich die wahren Beweggründe nicht kenne, oder auch nur erahnen kann.) Soll ich hoffen, dass jemand, der das Buch illegal erhalten hat, es liest und dann so gut findet, dass er es sich dann noch einmal kauft? Naiver kann man an die Sache wahrscheinlich nicht herangehen.


Was am Ende dieser Überlegungen übrig bleibt, ist eine dumpfe Ernüchterung. Ohne eBooks geht es nicht mehr, man würde als Autor einen großen Anteil von Lesern nicht mehr erreichen, wenn man sich zur Veröffentlichung ausschließlich als gedrucktes Medium entschließen würde. EBooks sind allerdings auch nur Dateien und damit der recht unkontrollierten Vervielfältigung preisgegeben - was ich als Betroffener jetzt damit anfange, wird sich noch zeigen, für einen Kampf gegen illegale Kopien fehlt mir aber Zeit, Wissen (technisch sowie juristisch) und Energie. Das höchste der Gefühle wird vielleicht eine Meldung an den Verlag sein, in der Hoffnung, dass man sich dort kümmert.
Für den Moment bleibt mir also nicht viel mehr als ein betrübtes Schulterzucken.

Kommentare

  1. Ich habe das gleiche Problem. Ich habe auf 3 oder 4 illegalen Plattformen mein Ebook entdeckt.

    Da ich Selfpublisherin bin, müsste ich mich allerdings um alles selbst kümmern. Nach Rücksprache mit zwei bekannten Autorin, die allerdings über Verlage veröffentlichen, hieß es dann, dass man wohl nicht viel tun könne.

    Soll ich jetzt zur Polizei und eine Anzeige machen?
    Immerhin wurde das Ebook alleine auf Gullboard vermutlich mehr wie 100 mal heruntergeladen. Und diese Zahl nehme ich nur aus der "Danke-Funktion" für den Download. Die tatsächliche Zahl ist vermutlich viel höher.

    Bei einem Preis von 3 Euro pro Ebook ist das dennoch eine Menge, wenn man bedenkt, dass zeitgleich auch der Umsatz zurückgegangen ist ... :-(

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  2. Sowas ist ärgerlich und ... man macht das einfach nicht! Ich denke es ist gut, dass du das öffentlich gemacht hast, denn diejenigen, die dein Buch illegal runterladen, interessieren sich nich für dich. Es sind Buch´jäger, die alles nehmen, was sie kriegen können. Möglicherweise lesen sie dein Buch nichmal. Jemand, der für das Buch bezahlt, denkt genau nach und schreibt - hoffentlich! - ne positive Rezi.

    Trotzdem... echt grusilig :-(

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  3. Die Diskussion über das Thema ist ja nicht gerade neu, auch die Beschwerden über die "ich will alles umsonst"-Mentalität, aber erstmalig als Betroffener dazustehen, hat schon eine andere Qualität.
    Angesichts der Erkenntnis, dass "man wohl nicht viel tun könne", könnte man glatt auf den Gedanken kommen, es dann doch einfach zu lassen.

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  4. Bist du sicher, dass dein Buch sich auch wirklich hinter dem Link befindet? Konntest du es selbst gratis herunterladen, ohne eine Kreditkarte anzugeben? Meine Recherchen habe ich an dem Punkt eingestellt, weil ich dachte, es würde sich eher um Kreditkartenbetrug als um Raubkopien handeln.
    Lg Lara

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    1. Die Links enthalten definitiv eine Raubkopie des eBooks. Man muss sich zwar durch eine Unmenge von Bannern und Popups kämpfen, aber Kreditkartendaten sind nicht notwendig.

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    2. Ja, wenn man es gut mit der NSA und einer renommierten Anwaltskanzlei könnte, dann stünde jetzt der Abmahn-Himmel weit offen...!

      Aber für einen einfachen Schreiberling ohne entsprechende Vernetzung bleibt nur der (un)freiwillige Dienst am (schlechten) Menschen. Hoffentlich lädt es jemand runter, der damit auf den Weg der Besserung gerät und nicht Brudermörder oder gar Autor wird :-)

      Mein Beileid!

      Onkel

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    3. Danke, auch für die wie gewohnt pointierte Antwort ;)

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