Werfen Sie hier mal einen Blick drauf? Bitte? BITTE?

Das Bild des einsamen Dichters/Schrifstellers in seiner Dachkammer (Carl Spitzweg, "Der arme Poet", s. hier) hält sich wacker, und immerhin ist ja einiges auch dran, denn arm ist der Poet, der auf Veröffentlichung hofft, sicherlich, wenn er darauf hofft, allein von seinen Worten leben zu können. Das undichte Dach, der Regenschirm im Bett, das kann alles hinkommen.

Aber muss das so sein? Der (das?) Blog von Andreas Eschbach, speziell die Serie "Übers Schreiben" hilft hier weiter: "Verschiedene Untersuchungen ergeben immer wieder, dass die Hälfte aller veröffentlichten Schriftsteller weniger als 3000 € pro Jahr (!) verdienen, und man schätzt, dass weniger als 100 Autoren in Deutschland vom Schreiben allein leben können."
Einen anderen Job als das Schreiben sollte man also wohl noch in der Hinterhand haben.....

Dass man es trotzdem versucht, veröffentlicht zu werden, steht natürlich außer Frage, die o.a. Aussagen im Hinterkopf, wird aber einmal mehr deutlich, dass es sich bei den Ergüssen der einsamen Poeten um eine Ware handelt, um nichts mehr. Da mag man sich Träumen hingeben, wie künstlerisch hochwertig die eigenen Erzeugnisse wohl sein mögen, am Ende des Tages ist das Buch auch nur der bereits hier bemühte Sack Kartoffeln, bei dem lediglich zählt, ob sich das Produkt verkauft. Punkt.
Dass das Angebot an Produkten, die der Markt nicht braucht, außerordentlich hoch ist, merkt man, wenn man Agenturen anschreibt, die einem helfen sollen, den Sack Kartoffeln, den man zu Hause produziert hat, an dem Markt zu bringen, da wird man schnell vom Anbieter zum Bittsteller. Das kann man den Agenturen noch nicht einmal verübeln, wenn man sich Interviews durchliest, in denen die geplagten LiteraturagentInnen klagen, wie überlastet sie sind und wie wenig sie vom Angebotenen tatsächlich am Markt platzieren können.

Warum jetzt der Titel? Ganz einfach: Dass ich Bittsteller sein würde, der sich ungefragt meldet und Dinge einschickt, war mir klar, worauf ich nicht vorbereitet war, waren die Umgangsformen, mit denen man konfrontiert ist. Mal im Ernst: Wenn ich ein Manuskript prüfe, es weglege und mir denke: "Nö, das wird nichts", wie lange brauche ich dann, um eben kurz eine Mail an den Autor zu schreiben, ihm für seine Einsendung zu danken und ihm mitzuteilen, dass man seine Arbeit leider nicht verwenden könne, er möge verstehen, dass man aufgrund der Vielzahl der Einsendungen nicht im Einzelnen auf die Gründe eingehen könne, man wünsche ihm aber weiterhin alles Gute, blablabla? Das Manuskript hat man gerade erst weg gelegt, die E-Mail-Adresse steht wahrscheinlich drauf, wie hoch ist der Aufwand, vor dem nächsten Kaffee einen vorgefertigten Text in eine Mail zu kopieren? Vor allem: Wie hoch ist der Aufwand im Vergleich zu dem, was diese Auskunft für den Autoren bedeutet im Gegensatz zu monatelangem Hoffen in Erwartung dessen, was nicht kommt?
Genau hier liegt das Problem: Der Autor ist nicht nur Bittsteller, er fühlt sich auch noch durch völlige Missachtung seiner Arbeit und ggf. seiner Person gestraft. Und die Hoffnung stirbt zuletzt: Selbst wenn auf der Website der Agentur eine Floskel wie "Wenn Sie nach drei Monaten nichts von uns gehört haben, betrachten Sie das bitte als Absage" zu finden ist, wartet man trotzdem noch den vierten Monat ab, es könnte ja sein.....
Ich habe auf Anschreiben von sechs Agenturen eine Rückmeldung bekommen. Bei einer Agentur wurde mir telefonisch versichert, dass man sich "auf jeden Fall innerhalb von vier Wochen" meldet, nach Aufschlag des Hoffnungsbonus habe ich nach acht Wochen um eine kurze Rückmeldung zum Stand der Dinge gefragt - auch das wurde ignoriert.
Und ich bin mir sicher: Selbst wenn sich diese Agentur irgendwann melden sollte, werde ich nicht sagen "Nö, jetzt will ich auch nicht mehr, Sie sind mir unsympathisch, Sie halten sich ja nicht an Vereinbarungen" sondern aufspringen und froh sein, dass überhaupt jemand reagiert und 1000 Gründe erfinden, warum sich so spät gemeldet wurde, das muss die Agentur gar nicht selbst übernehmen.

Gute Laune bekomme ich dabei nicht.....


EDIT: zur Ehrenrettung der zuletzt genannten Agentur sei gesagt, dass auf die Rückfrage nach dem Status Quo mittlerweile geantwortet wurde, wenn auch neun (statt vier) Wochen nach Einsendung.

Kommentare

  1. Ich weiß nicht, woher das verwaschene und unscharfe Bild des Schriftstellers kommt, der sonst nichts tut außer schreiben und warten auf Verlagsantworten und Schecks. Die meisten Schriftsteller, die literarisch bedeutsame Werke verfasst haben, taten dies, während sie einem Brotberuf nachgingen, ein Stipendium hatten - oder die einfach gut verheiratet waren. Der Hungerkünstler, der in seiner schimmeligen Bude Verse für das nächste Jahrtausend verfasst, löst in mir kein Gefühl der Verbindlichkeit aus.

    Was das Einsenden von Manuskripten betrifft: ich halte es für Debütanten beinahe für schlauer, ihre ersten Schritte bei Kleinverlagen zu machen und diese direkt anzuschreiben. Agenturen versuchen zunächst mal nur Großverlage zu finden und suchen deshalb halbwegs etablierte Autoren, bei denen man abschätzen kann, dass nicht schon nach dem ersten Buch der Dampf draußen ist. Mit Kleinverlagen kann man gut direkt zusammenarbeiten, kriegt nach Standardvertrag Honorar bezahlt und ist veröffentlicht. Agenturen finden ihre Autoren meistens wohl auch nicht durch die Zuschriften der Autoren, die sich bei ihnen bewerben, sondern auf Buchmessen und bei anderen, ähnlichen Gelegenheiten, wo sie sich selbst an Schriftsteller heranmachen.

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  2. 1. Davon, dass der arme Poet "sonst nichts tut", war nicht die Rede. Davon, dass er darauf hofft, schon :)
    2. Kleinverlage sind tatsächlich "Plan B", ich wollte nichts unversucht lassen. "Plan C" ist übrigens Selbstverlag.

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