Einflüsse und Vorbilder

Eine beliebte Frage in Interviews oder Biografien von Autoren ist immer die nach den Einflüssen. "Was hat Sie und Ihren Stil beeinflusst?" möchte da jemand wissen, dann folgt zumeist eine Liste von Autoren oder deren Bücher, die ich mir oft und gerne ansehe und womit ich mich dann beschäftige, wenn das Werk des Interviewten mir gefällt. Auf diese Art und Weise habe ich schon etliche Autoren kennen gelernt, die ich fortan zu meinen Favoriten zählte.
Eine Antwort auf die Frage ist aber insgesamt eher schwierig oder mindestens müßig, denn ich bin davon überzeugt, dass jedes Buch den Leser beeinflusst, sei es positiv, negativ oder nur durch das Erzeugen von Gleichgültigkeit, so dass man als Autor z.B. weiß, was und wie man nicht schreiben möchte.
Schwieriger als die Frage nach dem Einfluss ist die nach Vorbildern, zumindest für mich, da ein Vorbild immer etwas ist, dem man in gewisser Weise auch nacheifert, und das hat für einen Autoren stets auch etwas mit Kopieren oder zumindest Imitieren zu tun, was meiner Ansicht nach wahrscheinlich schlecht funktionieren würde, da man sich dafür verstellen müsste, und meiner Überzeugung nach fällt so etwas sofort auf und geht nach hinten los, da ein Teil der Authentizität fehlt.

Eine spannendere Frage (die mir allerdings noch nie gestellt wurde) als die nach dem tatsächlichen Einfluss oder nach Vorbildern, finde ich die danach, von wem man denn gerne beeinflusst werden möchte. Das hat etwas Passives (im Gegenteil zum aktiven Nacheifern eines bestimmten Autors oder Stils), entbehrt aber dennoch nicht dem Respekt vor der Leistung des anderen und einer gewissen Bewunderung.
Vor diesem Hintergrund hier eine äußerst lückenhafte Liste einiger großer Schriftsteller, von deren Werken ich mich gerne beeinflussen lassen würde, sortiert nach einigen Aspekten, die mir im jeweiligen Fall besonders wichtig sind:

In Sachen "Zufall" möchte ich Paul Auster hervorheben, in seinen Geschichten spielt dieser immer wieder eine große Rolle, allerdings stets auch gepaart mit einer sehr glaubhaften Folgerichtigkeit, hier gibt es keinen (von mir sehr ungern gesehenen) Deus ex machina, selbst der unwahrscheinlichste Zufall wird immer noch rational erklärt und bleibt immerhin möglich.

Betreffend der "Unmittelbarkeit" von Werken (im Sinne der Fähigkeit, Ergriffenheit beim Leser zu erzeugen) gibt es für mich keinen Größeren als Hubert Selby, er ist wahrscheinlich der einzige Autor, dessen Bücher bei mir zum Teil körperliche Reaktionen hervorrufen können. Einzig "Hunger" von Knut Hamsun hat mich in dieser Hinsicht ähnlich beeindruckt.

In der Sparte "Dialoge" gibt es für meine Begriffe kaum einen glaubwürdigeren und realistischeren Autoren als Cormac McCarthy (dessen gesamte Prosa ich natürlich sehr mag, nicht nur die Dialoge), aber auch Nelson Algren leistet hier Großartiges.

Sprachlich werde ich immer wieder (und immer noch) von Hermann Hesse beeindruckt, aber auch Gustav MeyrinkRay Bradbury und neuerdings John Banville regen mich oft an, Sätze und Absätze zum Teil mehrfach zu lesen, nur um den Genuss ihrer sprachlichen Finessen voll auszuschöpfen.
(Ein interessanter Artikel über die Größe des Wortschatzes von Autoren kann hier gefunden werden.)

Erzählerisch hätte ich nichts dagegen, wenn die Romane von John Updike etwas auf mich abfärben würden. Seine Beschreibungen des Alltags, seine detailreichen und dabei aber niemals langweiligen Abbildungen des "normalen" Lebens suchen meiner Ansicht nach (zumeist vergeblich) ihresgleichen, wobei John Steinbeck hier (wie auch bei den Dialogen) erwähnenswert ist.

Die Verbindung von Fiktivem und Realität und die Einbettung einer erfundenen Geschichte in einen realen, historischen Kontext finde ich bei Philip Roth (neben vielen anderen) Dingen ganz hervorragend gelungen.

Und eine einzige Genre-gebundene Empfehlung, die ich unter der Bezeichnung "Einfallsreichtum" ablegen möchte: In der Welt der Science Fiction gibt es für mich kaum jemanden, der an die Ideenvielfalt von Philip K. Dick herankommt. Im Bereich Fantasy/Horror muss hier allerdings H.P. Lovecraft hervorgehoben werden, der auch sprachlich in einer ganz anderen Liga spielt.


Und je länger ich über diese Aufstellung nachdenke, desto mehr Autoren und Bücher fallen mir ein, die bei genauerer Betrachtung auch immer weniger in die gebildeten "Sparten" passen, deswegen soll es hiermit gut sein und als zwangsläufig unzureichender Versuch stehen bleiben.
Zur Ergänzung findet sich hier eine immer noch lange nicht vollständige aber weitaus umfangreichere Liste der von mir empfohlenen Autoren und Bücher.

Kommentare

  1. Huhu!

    Ja, ich glaube auch, dass jedes Buch den Leser beeinflusst – ich glaube auch, dass man aus dem schlechtesten Buch noch was lernen kann, und wenn es nur ist, was man NICHT tun sollte.

    Von Paul Auster habe ich seit "Mr. Vertigo" nichts mehr gelesen, und das war... Öh, ich weiß nicht, vielleicht 1999? Jedenfalls viel zu lange her, ich sollte mal wieder was von ihm lesen.

    Auch von Cormac McCarthy möchte ich schon lange mal wieder was lesen, genau wie von John Updike, John Steinbeck und H.P. Lovecraft. Früher war ich ja Mitglied in einer Cthulhu-Rollenspielgruppe, da haben wir natürlich auch alle Bücher gelesen. :-)

    LG,
    Mikka

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Cthulhu-Rollenspielgruppe" hört sich auf jeden Fall nach einer familienfreundlichen, lebensbejahenden Freizeitgestaltung an :)

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

App-Empfehlung: Book Catalogue

Eine unmenschliche Anzahl von Büchern, die man gelesen haben sollte

Bukowski: Find what you love and let it kill you