Henry David Thoreau: Über das Lesen

Als Ergänzung zu diesem Artikel hier noch ein Zitat von Thoreau:

"Die meisten Menschen haben lesen gelernt, um einer armseligen Bequemlichkeit zu genügen, wie sie auch rechnen lernten, um Buch führen zu können, und um beim Handel nicht übers Ohr gehauen zu werden. Aber vom "Lesen" als einer erhabenen, geistigen Beschäftigung wissen sie wenig oder nichts. Und doch ist "Lesen" im wahren Sinn des Wortes nichts anderes. Jedenfalls nicht das, was uns wie der Luxus einlullt und den höheren Geisteskräften einstweilen zu schlummern gestattet, sondern das, was wir nur lesen können, wenn wir auf den Zehenspitzen stehen, wenn wir unsere wachsten, erleuchtetsten Stunden dazu verwenden.

Haben wir erst einmal die Buchstaben erlernt, so meine ich, sollten wir nur das Beste lesen, was in der Literatur vorhanden ist, und nicht unser a, b, abc und einsilbige Wörter in der vierten oder fünften Klasse in alle Ewigkeit wiederholen und unser Leben lang auf der Faulbank sitzen bleiben. Die meisten Menschen sind zufrieden, wenn sie ein gutes Buch lesen – die Bibel zum Beispiel – oder sich aus einem guten Buch vorlesen lassen. Es genügt ihnen, wenn sie (vielleicht) von dessen Weisheit überzeugt sind. Den Rest ihres Lebens vegetieren sie und verschwenden ihr Können an sogenannte seichte Literatur."

Quelle: Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern - Kapitel 6, nachzulesen z.B. hier

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