Gewinnspiele, oder: Was nichts kostet, taugt auch nichts?

In vielen Blogs häufen sich die Gewinnspiele, fast jeden Tag wird irgendwo irgendwas verlost, verschenkt, verteilt. Allerdings meist nicht umsonst, denn bei so gut wie allen Gewinnspielen, die ich in letzter Zeit gesichtet habe, wird eine Gegenleistung verlangt.
Das ist zunächst einmal nicht verwunderlich, denn wer hat schon etwas zu verschenken? Die nebenstehende Grafik erläutert das ganz anschaulich: "Free WiFi inside". Aber der Betreiber des dazugehörigen Cafés will eben Kaffee verkaufen und verschenkt nicht aus purer Freundlichkeit seinen Internetzugang. Wirklich kostenlos ist das Internet also nicht, zumindest nicht in Summe gerechnet, irgend jemand bezahlt dafür, sonst würde es sich einfach nicht lohnen.

Aber zurück zu den Gewinnspielen: Was ist denn eine adäquate Gegenleistung für ein kostenloses Buch? Zumeist geht es den Bloggern darum, mehr Leser für ihren Blog zu interessieren und so im Endeffekt dabei zu "gewinnen". Oft wird deswegen als Teilnahmebedingung vorausgesetzt, dass man dem Blog "folgt", manchmal muss man die Seite "liken", einen Link zum Blog teilen oder andersartige Werbung machen. Je höher die Teilnahmehürde, desto höher der Widerstand - das ist allerdings auch nur verständlich, wenn bei manchen Beschwerden über Teilnahmevoraussetzungen leider auch die vielzitierte "ich will alles umsonst"-Mentalität durchzuschlagen scheint (aber das ist ein anderes Thema).
Die Position der "Gegenseite" ist aber auch nur sehr nachvollziehbar, denn niemand hat etwas zu verschenken, diese treffende Darstellung hier kann man sich gar nicht oft genug in Erinnerung rufen:



Was bedeutet das nun (für mich)? Je länger ich aus meiner Sicht als Autor über Gewinnspiele nachdenke, desto mehr gewinne ich den Eindruck, dass diese Form der Werbung für meine Zwecke wahrscheinlich einfach völlig ungeeignet ist.
Eine simple Rechnung mag das verdeutlichen: Wenn ich ein Gewinnspiel veranstalte und - sagen wir - "nur" zehn Bücher verlose, muss ich diese vom Verlag selbst kaufen (zumindest bei meinem Verlag ist das so). Dazu kommt noch das Porto, um den Gewinnern die Bücher auch tatsächlich zuzustellen und ein gepolsterter Umschlag als Verpackung, damit das gute Stück auch noch im Neuzustand ankommt. Das alles zusammengerechnet führt dazu, dass ich für ein verlostes Buch ca. 12€ ausgebe. Macht also bei zehn Büchern 120€ - jetzt muss ich für mich entscheiden, ob mir ein paar Links zu meinem Blog, ein paar Likes auf facebook und die ein oder andere (hoffentlich positive) Rezension diese Investition wert sind. Besser wären natürlich 20 Bücher, oder 30 ...

Es ergibt sich zweierlei Fazit:
  1. Niemand wird gezwungen, an irgendeiner Art von Gewinnspiel teilzunehmen, wenn einem die Modalitäten nicht gefallen. Dass die Veranstalter gerne eine Gegenleistung (oder irgendeine Art von "Effekt") erwarten, ist nur zu verständlich, ist einem die Hürde zu hoch, springt man eben nicht (eine Beschwerde über die Regeln ist meiner Ansicht nach nicht angebracht - ausgenommen vielleicht, diese sind außerordentlich unverschämt, und unbedarftere Teilnehmer müssen dringend gewarnt werden).
  2. Für einen Autoren, der für seine PR finanziell vollständig selbst aufkommt, ist der Effekt einer Verlosung wahrscheinlich zu gering, besser geeignet ist eventuell die Ausrichtung einer Leserunde auf lovelybooks oder (falls zutreffend) die Teilnahme an einer Aktion wie "Debütautoren" (die jährlich beim selben Anbieter stattfindet). Hier fallen zwar dieselben Kosten an, die Aufmerksamkeit, die man dafür erhält, dürfte aber ungleich höher sein.
Daher werde ich es wohl zunächst mit einer Leserunde probieren und über Erfolg und Misserfolg wieder hier berichten. (Update 6/2017: Leserunde läuft noch)


(Es sei nicht verschwiegen, dass dieser Text u.a. angeregt wurde durch diesen Artikel und die darauf folgende Diskussion.)

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