Buchblogs, ein Geben und Nehmen!?

Die Provokation direkt zu Beginn: "Buchblogger sind Leute, die gerne lesen, aber nicht gerne Geld fürs Lesen ausgeben." Diese Aussage stammt nicht von mir, und ich stimme ihr auch nicht zu - zumindest nicht uneingeschränkt. Aber nach einiger Zeit, die ich in, auf und um Buchblogs verbracht habe, gibt es wohl auch in dieser Erkenntnis ein Korn Wahrheit.

Der große Fehler derer, die diese Erkenntnis überrascht, ist wahrscheinlich der, dass man mit einer großen Portion Idealismus an "die Sache" herangeht. Vermutlich ist das anfangs bei jedem so, auch kann nur spekuliert werden, wann die Grenze erreicht ist, an der man die Kontrolle verliert - oder es zumindest zulässt, dass andere sich an der Kontrolle beteiligen. Teilweise hat es den Anschein, dass das ganze Buchbloggen eine komplexe, wirtschaftliche Angelegenheit ist, bei der Idealismus zwar vorkommt, der Hauptantrieb scheint es bei einigen aber nicht (mehr) sein.
Ich will weder ausschließen noch jemandem unterstellen, dass es Betreiber von Blogs gibt, die nur deswegen Rezensionen schreiben, weil sie auf kostenlose Rezensionsexemplare hoffen. Ich kann auch nicht beurteilen, ob einige erst im Laufe der Zeit auf den Trichter kommen, dass es so etwas wie kostenlose Bücher gibt und was der Grund dafür ist, danach zu streben. Es mögen geringe Leserzahlen sein, die man auf die geringe Anzahl von Rezensionen schiebt, die man auf geringe finanzielle Mittel zum Erwerb weiterer Bücher schiebt - es mögen tausend andere Gründe sein. Welche das sind, ist auch völlig egal, jeder kann hier machen, was er will, das ist schließlich das Internet.
Hier soll es aber auch nicht um kostenlose Rezensionsexemplare gehen (auf die ich als Autor ja sogar selbst angewiesen bin, hier gab es schon einmal einen Beitrag dazu), sondern um eine ganz andere Geldquelle und speziell um die Art und Weise, wie damit umgegangen wird, denn: Was meines Erachtens niemand tun sollte (auch im Internet), ist sich in die Tasche zu lügen. Auf jeden Fall aber niemand anderem!

Folgendes sind (leicht abgewandelte) Original-Zitate zu tagtäglich anzutreffenden Aktionen, von denen aktuell wieder eine stinkende Welle über die Blogs schwappt:
  • "Jede(r), der - auf seinem Blog, auf Twitter, Facebook, etc. - über diese Aktion berichtet, kann ein signiertes Taschenbuch gewinnen."
  • "Alle Blogger, die den Trailer zu Buch XY auf ihrer Startseite einbinden, nehmen an einer Verlosung teil."
  • "Jede(r), die/der einen Blog-Beitrag über unseren Shop schreibt, erhält einen Einkaufsgutschein in Höhe von soundsoviel Euro."
Das alles ist bezahlte Werbung. Und jeder, der sich darauf einlässt, Verkauft. Seinen. Arsch.

Noch einmal: Dies ist keine Generalisierung, es geht hier nur um einige schwarze Schafe (die allerdings umso unangenehmer auffallen). Auch kann sich jeder gerne instrumentalisieren lassen, wenn er das möchte, sollte dann aber wenigstens so ehrlich sein und andere auch darauf hinweisen. Blog-Beiträge mit dem Tenor "Guckt mal, was ich für einen tollen Shop entdeckt habe!" (während 30 andere gleichzeitig zufälligerweise dieselbe Entdeckung machen), sind völlig legitim. Dann aber zu verschweigen, dass einen nicht etwa der Shop überzeugt hat (zumindest nicht ursächlich), sondern die Tatsache, dass man bei der nächsten Bestellung für 25€ umsonst konsumieren darf, grenzt schon an arglistige Täuschung. (Dass diese Art gekaufter - und nicht gesondert markierter - Berichterstattung durchaus gängige Praxis ist, soll auch nicht verschwiegen werden, das macht die Sache aber nicht besser.)

Ich kann nicht glauben, dass jemand so dumpf ist und nicht versteht, wie diese Mechanismen funktionieren, eher hat es den Anschein, dass es einigen einfach völlig egal ist, ob sie Werbung machen oder nicht, solange nur ein eigener Vorteil dabei herausspringt.
Die Frage nach der Ernsthaftigkeit und der Glaubwürdigkeit solcher Personen und das Abfärben dieses Eindrucks auf die gesamten Blogs solcher Betreiber sei mal zur Diskussion in den leeren Raum gestellt, ich denke mir meinen Teil und klicke still und leise auf "unfollow".

Kommentare

  1. Da hast Du wohl Recht....was mich aber schon seit langem dazu bewogen hat, den meisten Buchbloggern nicht mehr zu folgen, ist das dortige "Konsumverhalten"....da werden Bücher meistens nicht mehr gelesen, sondern nur noch konsumiert, um möglichst viele Rezensionen ins Web absenden zu können - ob sie dafür in irgendeiner Weise "entlohnt" werden, interessiert mich eigentlich nicht. Schlimm ist eher, daß suggeriert wird, daß es darauf ankommt, so viele Bücher wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich zu lesen - so nach dem Motto: ich zähle, wie viele Bücher ich diesen Monat "geschafft" habe...welch eine Armutserklärung ! Bücher sind in den meisten Blogs zur Massenware degeneriert.....und genau dazu paßt dann auch das, was Du in Deinem Beitrag geißelst!

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    1. Diese "Challenges" finde ich auch sehr unsinnig (z.B. "lese nach dem ABC je ein Buch eines Autoren mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben"), aber die nerven wenigstens nicht und veräppeln auch niemanden, immerhin wird gelesen! Im Gegensatz dazu ist diese getarnte Werbung, die einem überall begegnet und für die sich die Blogger vor den Karren spannen lassen, kaum auszuhalten. Zum Glück kann man beides einfach ignorieren.

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  2. Ich finde deinen Artikel durchaus ansprechend - aber ich gebe zu bedenken, daß im Internet oft suggeriert wird, es gäbe etwas umsonst - so daß man den Eindruck gewinnen könnte, die ganze Welt wäre voll mit bunten Bonbons, die man nur aufsammeln müßte. Das Gegenteil ist der Fall. Irgendjemand verdient immer
    daran, nur meistens nicht der Autor - das muß einem klar sein.

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    1. Das ist richtig (und führt zu anderen Dingen: http://dasmussteraus.blogspot.de/2014/09/unfreiwilliger-ruhm-illegale-ebook.html), meiner Meinung nach hängt aber das "ich will alles umsonst"-Verhalten mit der "ich lasse mich für Werbung einspannen und gebe es nicht zu"-Einstellung nicht zwangsläufig zusammen - wenn auch für beides Habgier ursächlich scheint.

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  3. Davon habe ich schon oft gelesen, bin aber nie jemandem begegnet, bei dem ich diesen Eindruck hatte. Trotzdem gruslig :-(

    Das mit der Kontrolle ist schon richtig, es ist aber ne Gratwanderung - vlt. will man das Lieblingsbuch unbedingt haben und wenn es bei ner Gratisaktion angeboten wird, versucht man es. Gleichzeit steht man dann aber unter Druck ne Rezi tippen zu müssen - und das ist schade.

    Als Leser habe ich davon ja nix xD

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    1. Wenn man sich zu einer Rezension gedrängt fühlt, hat man selbst das Problem (erzeugt), wenn man sich zu einer Rezension drängen lässt, ebenfalls. Und wenn es um ein Lieblingsbuch geht, kaufe ich das sowieso.

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  4. Ich melde mich hier als Buchblogger zu Wort: Wieso regt euch das Thema so auf? Es werden auf etlichen Seiten (Amazon, lovelybooks, goodreads, usw.) Rezensionen veröffentlich, dass interessiert hier wohl keinen, aber Buchblogger sind jetzt zu Schnorrern degradiert? Frage: wo wären einige Autoren, ohne die ganzen Rezensionen, die ein Buch im Web berühmt machen? Ja, wahrscheinlich in einem verstaubten Bücherregal in der Buchhandlung. Nur weil Buchblogger für so viele Verlage Werbung betreiben und dafür hier und da ein Buch kassieren, muss man das ganze Konzept nicht schlecht machen!

    Ich bin von Marathon-Lesern auch nicht besteistert, die lesen und rezensieren ohne Herz und Verstand. Aber seien wir doch mal ganz erlich, die meisten von uns ziehen so eine Seite nicht auf, investieren so viel Freizeit, um 1-2 Bücher im Monat zu erhalten. Ich lese und renzensiere um mich zu entspannen, es macht mir einfach Spaß. Sollte ich hier und da ein Buch vom Verlag erhalten freut mich da, aber ich bin nicht darauf angewiesen. Ich werde von niemanden verleitet oder angeleitet dies alles zu tun. Ich blogge des Spaßes willen nach und nicht um irgendjemanden etwas zu beweisen.

    Wir alle leben im Zeitalter des Internets und viele Jugendliche kann man, so traurig das jetzt auch klingt, nicht anders erreichen oder zum Lesen animieren als im Internet Werbung zu machen und mit kleinen gratis Bonbons anzulocken.

    Man muss nicht alles gut heißen, was getan wird, aber die Medaille stets von zwei Seiten betrachten. LG =) Ich hoffe mal, dass das richtig rüberkommt, so wie es auch gemeint ist.

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    1. Danke für deine Meinung, aber jetzt bitte einmal kurz durchatmen und den ursprünglichen Beitrag noch einmal lesen. Da ist nirgendwo die Rede davon, dass Blogger generell Schnorrer sind, es geht noch nicht einmal hauptsächlich um Rezensionen (nur am Rand, und da auch nur - wortwörtlich - um "einige"), sondern zentraler Kritikpunkt ist unreflektierte Werbung, ohne diese als solche zu kennzeichnen - und selbst hier wird nicht generalisiert.
      Nochmal in Kurzform: Buchblogs sind oft echt super und eine wichtige Institution für Autoren, der Versuch, anderen eiskalte Werbung als Meinung (auch hier nochmal: es sind nicht Rezensionen gemeint, s.o.) zu verkaufen, ist aber alles andere als das.

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  5. Aaaaalso, ich habe kein Problem damit, wenn man versucht an Bücher umsonst ranzukommen. Ich lebe als Studentin von nem minimalen Gehalt, mit dem ich auskommen muss und so sehr ich auch die Stadtbibliothek liebe, mir privat Bücher leihe oder auf ebooks ausweiche, weil sie billiger sind, nehme ich so oft wie möglich auch an Gewinnspielen teil und wenn ich fürs Mitmachen eine kleine Gegenleistung erbringen muss, dann hab ich damit kein Problem. Weil Bücher nun mal teuer sind, gerade diejenigen die es eine Ewigkeit nicht als billigeres Taschenbuch zu kaufen gibt.
    Ich hab auch kein Problem mit Werbung auf anderen Blogs, solange sie als solche gekennzeichnet ist. Bei den Arvelle Posts war ja nach dem dritten Post auf meinem Bloglovin Feed klar, dass das irgendeine Werbeaktion ist und ich hab die Posts ignoriert ohne die Leute aus meiner Liste zu werfen. Weil Hey, ich hatte auch darüber nachgedacht einen Beitrag dazu zu posten.

    Was ich aber absolut nicht leiden kann, und was schon auf diversen anderen Blogs aufgegriffen wurde, ist wenn Rezensionsexemplare (deren Erwerb für mich okay ist) dann rezensiert werden und als Werbung nicht gekennzeichnet werden. Wenn Leute dauernd darüber posten, was sie sich Neues gekauft haben und nicht mit einem Wort erwähnen, dass sie die Bücher umsonst bekommen haben. Rezensionsexemplare sind, seien wir mal ehrlich, gekaufte Werbung. Du fragst bei einem Verlag wegen eines Buches an, das du gerne lesen würdest, bekommst es zugesendet und erhälst eine Ware im Wert von (bei Hardcovern) ca. 20€. Es ist ein Tausch. Ob man dir die 20€ überweist für die Rezension und du das Buch selber kaufst, oder du es zugesendet bekommst, du hast eine Bezahlung erhalten und musst eine Leistung erbringen. Da ich mir persönlich nicht vorstellen kann, das irgendjemand für bezahlte Werbung eine schlechte Rezension schreibt/oder als Autor u. Verlag erhalten möchte, besteht für mich da auch ein gewisser Druck drin, die Rezension so positiv wie möglich zu verfassen. Und dann handelt es sich tatsächlich um Täuschung.
    Was die Buchblogger Gemeinde bräuchte wäre ein Kodex wie wir mit Werbematerialien umgehen und zudem wir uns alle freiwillig verpflichten, wie es zum Beispiel die Reiseblogger Gemeinschaft macht.

    Okay, das ist hier jetzt ein bisschen ausgeartet, deswegen sag ich jetzt einfach Mal:
    Schönen Abend noch.

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    1. Ich bin froh, dass ich mir alle Bücher selbst kaufe und keine Rezensionen schreibe (schreiben muss). Ich kann mir auch gut vorstellen, dass man sich genötigt fühlt, eine Rezension positiver ausfallen zu lassen, wenn man das Buch umsonst bekommen hat (und weitere erhalten möchte).
      Wie auch immer, zentraler Punkt war hier die nicht gekennzeichnete Werbung, und in dieser Hinsicht bin ich mir sicher, dass die Glaubwürdigkeit derer, die sich für Reklame derart "verkaufen", in der Wahrnehmung der Leser auch auf die Rezensionen abfärbt, seien sie auch noch so ehrlich und unbeeinflusst von Spenden jedweder Art.
      Ein Kodex ist eine nette Idee, aber es wird immer Angebote geben und Personen, die diese annehmen - und wer, außer der Blogger, die den Kodex kennen, achtet schon darauf? Die Folge wird sein, dass Kodex-treue Blogger weniger rezensieren können und die Buchkäufer letztendlich noch mehr von gekauften Rezensionen beeinflusst werden.

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