Namen, Namen, Popamen

Was ist das Schwierigste am Schreiben (für mich)? Zunächst einmal, eine Idee zu haben, die es für mich lohnenswert macht, darüber ein Buch zu schreiben. Das muss allerdings eine Idee sein, die über die volle Distanz eines Romans mitmacht und der nicht nach 50 Seiten die Luft ausgeht. Etwas von der Größe wäre dann eine Idee für eine Kurzgeschichte, von denen momentan schätzungsweise noch an die 30 in meinem Fundus lagern, um irgendwann vielleicht einmal wirklich als Kurzgeschichte umgesetzt oder aber doch zu einem Roman umgearbeitet zu werden.

Was aber, abgesehen von der Idee, ein wirklich schwerer Aspekt beim Schreiben ist, ist das Finden von Namen. Die Protagonisten sollen irgendwie heißen, aber wie? Es gibt Romane, die in der ersten Person geschrieben werden und in denen die Hauptfiguren keine Namen haben. Mir macht das keine Probleme, wie das auf andere wirkt, weiß ich nicht. Was macht man aber als Autor, wenn die Person angesprochen wird? Vermeidet man den Namen, umschreibt man die Anrede? Bisher habe ich immer irgend einen Kniff gefunden, wenn man in der dritten Person schreibt, muss man sich allerdings einen Namen überlegen, und der soll nicht blöd, aufgesetzt oder künstlich sein, dabei auch auch nicht zu alltäglich und er muss in die Zeit passen, in der die Handlung spielt, die Hauptperson eines Romans im Berlin der 60er Jahre kann einfach nicht Kevin heißen.
Was mache ich also? Manchmal habe ich mir Namen einfach ausgedacht (und dann später erfahren, dass es sie doch gibt, was mich einigermaßen beruhigte), oft habe ich Namen von Bekannten genommen und diese variiert, was zwei Probleme aufwirft: 1. Bekannte sind meist in demselben Alter wie man selbst, man muss also sicher stellen, dass die Namen auch noch in die Handlung passen. Und 2. Wie geht man mit der Frage um: "Hey, warum hast du mich in deinen Roman eingebaut?" :)

Eine weitere Idee kam mir bei der Umsetzung meines vorletzten Romans: Ich bin einfach auf den örtlichen Friedhof gegangen und habe mir an die 50 Vor- und Nachnamen von den Steinen abgeschrieben. Im Roman habe ich dann die Namen neu zusammengefügt und dabei natürlich wieder auf die Zeit der Handlung geachtet, Leute auf Friedhöfen haben leider (oder: glücklicherweise) die Eigenschaft, dass sie schon alt sind/waren, daher sind die Vornamen für eine aktuelle Handlung oft nicht wirklich hilfreich. Aber durch diese Sammlung hatte ich einen großen Fundus und kam nicht in Verlegenheit, mir Namen ausdenken zu müssen, sie waren bereits alle da und mussten nur noch benutzt werden. Und den Gedanken, dass alle Figuren im Buch eigentlich Tote sind, finde ich zusätzlich lustig nett interessant (hier passt kein Wort wirklich, um das Gefühl zu beschreiben, das einen verschmitzt zum Lächeln bringt, wenn man etwas weiß, wovon der Leser keine Ahnung hat).

Wenn man nur nach Vornamen sucht und diese zu einem bestimmten Alter passen sollen, hat sich zudem die Seite "beliebte Vornamen" bewährt, auf der man sich zu jedem Jahrgang die am häufigsten vergebenen Vornamen anzeigen lassen kann, so dass leicht zu recherchieren ist, wie jemand geheißen haben könnte, der z.B. im Jahr 1985 70 Jahre alt war.

EDIT 7,11,2015: Gerade neu entdeckt und ggf. hilfreich, wenn man schnell einen Namen braucht, bei dem Herkunft und Alter nicht unbedingt direkt eine Rolle spielen: fakenamegenerator.

Kommentare

  1. Interessant dein Weg, als Leser habe ich mich das tatsächlich schon gefragt, um nun deinen Weg zu finden, der total zu Halloween passt. :-)
    Bei Büchern von Holbein denke ich mir oft,er hat ungarische Oder slavische Namensbücher durchgelesen.
    Hmmm mal googlen wie er auf die Namen kommt....

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  2. Bei meinem NaNowriMo - Projekt habe ich schlicht und ergreifend Wörterbücher gewälzt. Das ging, weil ich zum einen Fantasy schreibe und zum anderen "sprechende" Namen wollte. Gut, hin und wieder noch Vornamen-Websites, falls sich in Wörterbüchern gar nichts fand ;) Aber war eigentlich eine ganz gute Methode. ^^

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